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Färöer Inseln und der Grindwal: Bei uns die Kuh - woanders der Wal?

Merkwürdige “Tierschützer”, empörte Menschen die scheinbar helfen wollen aber schlecht informiert sind, Mitläufer die sich aufregen - es gibt viel dummes Zeug in diesen Tagen wieder zu lesen und das alles zu Lasten von Dänemark! Unsere sympathischen Nachbarn will ich hier deutlich in Schutz nehmen, denn die Färöer Inseln gehören zwar zu Dänemark, aber sind eigenständig!

Das Töten der Grindwale scheint grausam, aber nur, weil es öffentlich passiert und nicht in Schlachthäusern! Bevor jemand schlecht informiert allzuschnell Partei ergreift oder sich von Vorurteilen leiten läßt, sollten wir alle mal nachdenken, wie tausende von Kühen, Schweinen und Hühnern, oftmals kläglich, täglich in Deutschland geschlachtet werden, bevor sie - hübsch garniert - auf unsere Teller kommen. Und, um es auch ganz deutlich vorweg zu sagen - ich bin gegen das eine, wie das andere - allerdings sollte Kritik immer sachlich bleiben. Und ein ganzes Volk (Dänemark) anzuklagen, wie es in den meisten Rundbriefen und Mails geschieht, ist kein Weg!

Die Färöer sind, wie Grönland, eine „gleichberechtigte Nation“ innerhalb des Königreichs Dänemark, bereits seit 1948 weitgehend autonom und haben mit dem Løgting eines der ältesten Parlamente der Welt. Die Bewohner werden Färinger genannt. Sie sprechen die färöische Sprache, die aus dem Altwestnordischen stammt und mit Isländisch und Norwegisch verwandt ist. Die Färinger sehen sich als Nachfahren aus der Wikingerzeit auf den Färöern und als eigenständiges Volk, nicht als Dänen.

Der Vorwurf an die “mordenden Wikinger”: Das jährliche Abschlachten einer Delphinart, die Grindwal oder Pilotwal genannt wird. In früheren Jahren waren es über 1.200 Exemplare, im letzten Jahr 2009, waren es aber nur noch 310 Exemplare im ganzen Jahr. Die Tendenz also eher abnehmend. Bleibt die Frage nach der Notwendigkeit (Hunger) und nach der Art und Weise des Tötens…


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Mit regem Interesse nimmt die Allgemeinheit alljährlich am Jagdschlachten (Grindadráp) der Grindwale teil. Angeblich zum Zweck der Nahrungsbeschaffung für die ganze Insel, wird diese Jagd seit hunderten von Jahren auch heute noch jährlich wiederholt. Einwände: Die Färöer leiden aber keinen Hunger und viele der Delphine sind zudem schwer mit Quecksilber und anderen Schwermetallen belastet, was ihren Verzehr ohnehin fragwürdig macht!

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Das Blutmeer: In solchen Buchten wurden in der Dekade 1981 bis 1990 etwa 19.000 Wale getötet, zwischen 1991 und 2000 “nur” noch knapp 9.500 Wale. In den letzten Jahren gingen die Zahlen weiter zurück - im Vorjahr 2009 waren es gar nur noch 310, weil auch die Einheimischen ein Umdenken angefangen haben, besonders aber deswegen, weil sie sich auch um ihr Ansehen als Ferieninsel sorgen!

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Das Wasser der entsprechenden Bucht färbt sich bei einem Grindadráp rot. Diese Bilder wirken auf Außenstehende oft schockierend (Deutsche Metzger in Schlachthäusern sehen das sicher berufsbedingt anders). Da keine Harpunen und Speere oder gar Schusswaffen verwendet werden dürfen, müssen die Jäger im eiskalten Wasser stehen und mit jedem einzelnen Tier kämpfen. Beteiligte beschreiben es als besonders anstrengend und hohe Konzentration erfordernd. Für sie bedeutet es in erster Linie kostenlose Nahrungsbeschaffung für sich und ihre Familien…

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Getötet werden die Grindwale mit dem Grindaknívur, dem Grindmesser. Dabei wird ihnen das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt, sodass sie innerhalb weniger Sekunden sterben. Sie verbluten also nicht, wie in zahlreichen Berichten behauptet wird!

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Die Färöer sind im Gegensatz zu Dänemark nicht Mitglied der Europäischen Union und gehören gemäß Art. 3 Abs. 1 ZK nicht zum Zollgebiet der Gemeinschaft. Zusammen mit Island bilden sie seit dem 1. November 2006 eine Wirtschaftsunion. Island, Grönland und die Färöer arbeiten bereits seit 1985/1997 im Westnordischen Rat zusammen. Die Färöer liegen nördlich von England, zwischen Island und Norwegen.

Der Grindwal (auch Pilotwal oder Calderon Delphin): Das männliche Tier erreicht eine Länge von drei bis sechs, maximal bis zu acht Metern und ein Gewicht von maximal drei Tonnen. Weibliche Tiere sind mit einer maximalen Länge von 6 Metern etwas kleiner. Der Körper ist nahezu zylindrisch, der kugelförmige Kopf ist kaum vom Rumpf abgesetzt und die Melone überragt die sehr kurze Schnauze der Tiere.

Grindwale leben wie die meisten Delfine in Gruppen, die als Schulen bezeichnet werden. Diese bestehen durchschnittlich aus zwanzig Tieren, zu Zeiten des saisonalen Hauptauftretens der Beutetiere konnten jedoch auch schon Schulen von bis zu 600 Individuen beobachtet werden. Das Sozialgefüge der Schulen ist hoch entwickelt und die Angehörigen der Gruppe folgen immer einem Leittier (daher der Name Pilotwal), meistens einem dominanten Männchen.

Wie bei vielen anderen Walen stellt auch für den Bestand der Grindwale die Verschmutzung der Meere die Hauptbelastung dar. Da sie an der Spitze der Nahrungskette stehen, reichern sich in der Muskulatur und der Leber sowie in den Nieren Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Kadmium an. In der Speckschicht kommt es vor allem zu Einlagerungen von fettlöslichen Umweltgiften wie polychlorierten Biphenylen (PCB) oder Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) und dessen Abbauprodukt Dichlordiphenyldichlorethen (DDE).

Am 28. November 2008 berichtete das Wissenschaftsmagazin New Scientist, dass die Gesundheitsbehörde der Färöer dazu aufgerufen hat, ab sofort kein Fleisch von Grindwalen mehr zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist!

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Bei aller Tierliebe und angebrachter Kritik, ist es dennoch immer notwendig, sich erst einmal genauestens zu informieren! Die Verunglimpfung eines ganzen Volkes - hier der Dänen - ist mindestens genauso unzumutbar und ungerecht! Und dann gilt auch noch, den Blick auf den eigenen Teller zu senken. Wer grundsätzlich glaubt, das Fleisch im Supermarkt wäre auf andere Weise als durch Tötung eines Lebewesens in die Verpackung gekommen, ist wohl hilflos mit dem Leben überfordert! Man muß nicht gleich Vegetarier werden - es reicht, wenn wir alle erheblich mehr über unser Essen nachdenken würden und den Fleischkonsum sinnvoll reduzierten…

Bleiben Sie wertschätzend kritisch, aber fair: Det Mueller
Bizzlounge Lohas Beitrag #158/2010 © Det Mueller

Det Mueller (Montag, der 21. Juni 2010 / 17:03) | Permalink

3 Antworten zu “Färöer Inseln und der Grindwal: Bei uns die Kuh - woanders der Wal?”

  • unregistered jörg dittmar sagt:

    richtig: das töten der wale ist genauso verabscheuungswürdig wie die zustände in den schlachthäusern. aber: deshalb beides einfach hinzunehmen ist der falsche weg. herr mueller, sie verwechseln wegschauen mit fairness und nichtstun mit political correctness. legen sie ruhig weiter die hände in den schoß. aber kritisieren sie bitte nicht das engagement anderer. ich persönlich freue mich, dass es immer noch menschen gibt, die mehr tun als klug rumschwätzen und artikel schreiben.

  • Det_Mueller Det Mueller sagt:

    …sicher ist das Thema sehr angefüllt mit Explosivstoffen und verleitet offenbar auch Sie zu rein emotionalen Aussagen. Aber genau darum geht es mir: Kritik sollte immer auch überlegt sein - und darf auf einem Werteportal wie der Bizzlounge durchaus wertschätzend bleiben! Es gibt keinen Grund den Autor persönlich anzugreifen oder über die Dänen herzuziehen, wie das in fast allen Mails oder Rundbriefen dieser Tage geschieht…

  • unregistered Larina Morena sagt:

    H
    Lieber Det MUELLER,
    Sicher ihre Informationen sind fundiert und respektabel, leider vergessen sie das bei diesem Volkssport auch trächtige und säugende Weibche maltretiert und abgeschlachtet werden. Föten werden aus den Leibern der toten Tieren geschnitten und zum verrotten auf die Straße geworfen. Das als zivilisierte Nation zu akzeptieren ist ethisch und moralisch absolut fragwürdig. Außerdem fehlt mir in ihrem Artikel der Hinweis, dass in diesem Jahr bereits in den ersten beiden Jagdmonaten mehr Wale geschlachtet wurden als in den letzten zwei Jahren zusammen. Hinzu kommt, dass es KEIN Umdenken in der Bevölkerung gegeben hat. Die niedrigen Zahlen der Vorjahre entstanden nur dadurch, dass wenige Walschulen in diesen Gewässern unterwegs waren.

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