
Was Spiritualität ist, erklärt Wikipedia nüchtern und sachlich so: “Spiritualität (v. lat.: spiritus = Geist, Hauch) bedeutet im weitesten Sinne eine Form von Geistigkeit als Gegensatz zum rein rationalen Denken und einer materiellen Körperlichkeit. Sie steht für die gelebte Verbindung zum Formlosen, göttlichen, transzendenten oder der Unendlichkeit.”
Nun machen sich Menschen gerne die Dinge leicht, die sie nicht sofort vollständig verstehen können, oder verstehen wollen - und packen sie in Schubladen. Die zwei am häufigsten verbreiteten sind diese beiden Polarisierungen:
Gruppe 01: “Diese Menschen weigern sich vehement das Vorhandensein von geistigen Wesen anzuerkennen. Oftmals lehnen sie auch alles ab, was ihrer Ansicht nach, nicht nach streng wissenschaftlichen Regeln bewiesen ist. Sie akzeptieren nur eine rational begründete Welt - alles Irrationale wird verdrängt und verleugnet.”
Nur beiläufig sei erwähnt, dass solche Personen mit derselben Begründung eigentlich auch die Existenz von vielen alltäglichen “Vorkommnissen”, wie z.B. Zu- oder Abneigung, Liebe, Hass oder Angst, abstreiten müssten, denn die lassen sich ebenfalls kaum endgültig wissenschaftlich begründen.
Gruppe 02: “Umgekehrt gibt es aber auch Personen, welche das ganze Leben und sämtliche Ereignisse auf der Erde mit irrationalen, mystischen Erklärungen begründen wollen. Alles ist schon lange vorbestimmt und anhand von Sternen, Karmas, der Bibel oder was auch immer erklärbar. Häufig haben diese Menschen die Bodenhaftung zumindest zeitweise verloren und leben wie in einer Parallelwelt.”
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Allerdings gibt es ja noch andere Definitionsmöglichkeiten, Betrachtungen oder Innensichten und mit der von Karl Gamper (Autor, Speaker, Coach aus Österreich) kann ich sehr gut leben:
“Spiritualität ist nichts anderes als das ganz persönliche, intime Verhältnis des einzelnen zum Göttlichen. Religionen sind Gemeinschaften von Menschen, die Ähnliches glauben.
Spiritualität hingegen kann nur ein Teilen sein. Ein Angebot. Ein Offenbaren von Ein-Sichten ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ohne Glauben im herkömmlichen Sinn.
Die Erfahrung des Einzelnen ist der rigorose Punkt, der Evolution praktisch macht und Spiritualität alltagstauglich.”
Für mich persönlich käme noch die Liebe dazu, die Karl Gamper nicht explizit erwähnt, obwohl ich weiß, dass er sie mit einschließt, in den Begriffen “Teilen” und “Angebot”. Für mich ist sie aber das Wichtigste im Leben und ich meine nicht nur die wertschätzende Liebe zwischen zwei achtsamen Partnern, sondern die allumfassende Liebe, zu allem, was lebt auf diesem Planeten. Ohne Forderungen. Ohne Erwartungen…
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Eine weitere, wertvolle Betrachtung dieses Themas liefert auch Dr. Simone Meller, eine erfahrene Psychologin und Psychotherapeutin aus Hamburg für ihre tägliche Arbeit:
“Alle Manifestationen der materiellen und geistigen Welt, die mir begegnen, sind nichts weiter als Geschichten, verschiedene Variationen ein- und derselben Energiequelle. Deswegen sind mir wissenschaftliche und mystische Erkenntnisgewinnung trotz ihres unterschiedlichen Vorgehens auch völlig gleichwertig, keins von beidem steht über dem jeweils anderen. Das einzige, was in meinen Augen jeweils führen darf, ist das als subjektiv wahr Empfundene.”
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Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Ansatzmöglichkeiten zur Integration von Spiritualität in das eigene Leben, die aber ein Blog Post nicht abhandeln kann. Dennoch hoffe ich, den ein oder anderen Leser, etwas von seinen Vorannahmen befreit zu haben. Vielleicht konnte ich sogar einen Anreiz vermitteln, der zu weiterem Nachdenken anregt. Wir leben in einer Epoche - ich nenne sie mal - Zeit der “Neuen Aufklärung”. Alte Glaubenssätze in Wissenschaft und Leben, sind in den letzten 50 Jahren massenhaft über Bord gegangen und durch zeitgemäße, neue Erkenntnisse ersetzt worden. Lohas - nun bald 7 Jahre in unserem öffentlichen Leben, gehört auch dazu. Wer Lohas leben will, undogmatisch und selbstbestimmt, kann nun verstehen, warum “Spiritualität” unbedingt als Teilbereich dazu gehört.
Viel zu oft wird von zahlreichen Menschen Lohas nur als moderner “Einkaufsführer”, und “Konsumberater” betrachtet. Oftmals wird dabei völlig vergessen, warum und wie wir all diese Dinge tun sollten, oder manche eben auch besser lassen. Beispiel: Einen Porsche Cayenne zu fahren ist zunächst sicher eine Konsumentscheidung, auch abhängig vom Einkommen. Auf der anderen Seite ist aber gerade dieses Fahrzeug wegen seines enorm hohen Verbrauchs und der damit verbundenen Emissionen, auch ein Symbol. Und zwar eines GEGEN das Leben in Gemeinschaft. Der Fahrer mag damit ausdrücken, ich lebe mein Leben und ihr anderen seid mir völlig gleichgültig. Rücksichtsloser Egoismus ist aber im laufenden Paradigmenwechsel nicht mehr vorgesehen und steht auf der No-Go Liste. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verstehen allmählich die globalen Zusammenhänge und ihre Folgen. Gute, wie negative. Es geht nur gemeinsam oder auf Dauer schief.
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Die Liebe zu sich selbst und die Liebe zu anderen ist der Schlüssel für ein friedliches Leben. Eine uralte Weisheit, heute aber wichtiger als je zuvor. Und den Zugang dazu findet man in der Spiritualität. Auch eine uralte Weisheit, aber so lebendig wie selten zuvor. Warum glauben Sie, rennen Menschen heute so häufig wie nie in Seminare, Coachings oder Lebensberatungen. Warum schießen Autoren passender Bücher wie Pilze aus dem Boden? Warum machen Millionen in Deutschland Yoga oder meditieren täglich? Warum boomen Wellness Angebote, Ernährungsberatungen, Ferien mit Ayurveda Angeboten? Weil all diese Dinge zusammengehören, einen sinnvollen Kreislauf ergeben und nur einem einzigen Ziel dienen: der Liebe! Der Liebe zu einem Leben in Frieden, der von innen kommt. Wertschätzend, nachhaltig, spirituell, achtsam und nährend.
Ich wünsche Ihnen eine wertschätzende Restwoche: Ihr Det Mueller
Quellen: wendezeit.ch ; meinweg.cc ; wikipedia ; schwungwerk.de ;
Abbildung ganz oben: “Life is a Journey” von Mario van Middendorf.
Bizzlounge Lohas Beitrag #175/2010 © Det Mueller

Freitag, der 13. August 2010 um 22:08
Hallo Detlef,
danke für deinen Beitrag, der Spiritualität ganz einfach in jedes Leben ruft. Du erwähnst Karl Gamper. Er hat zwischenzeitlich in der Gesprächsreihe “Spiritualität küsst Wirtschaft wach” den Begriff Spiritualität noch weiter erläutert und eben auch in Bezug zur Wirtschaft gestellt. Ein wichtiger Punkt, den du ja auch aufgreifst ist auch für mich “Menschen erkennen einander als Menschen” Die 15 Beiträge findest du unter http://www.erfolgreichepraxis.de/online-audio-reihe-spiritualitaet-kuesst-wirtschaft-wach/.
Herzliche Grüße
Ulrike
Dienstag, der 17. August 2010 um 11:00
Sehr geehrte Bizzlounger!
Zu dem oben angesprochenen Themenbereich fällt mir ein Zitat ein, das ich hier gerne posten möchte. Es stammt von Friedrich Christian Schlosser (1776 - 1861), badischer Geheimrat & Geschichtsschreiber:
“Das Gleichgewicht im Menschen zu erhalten, das Kräftige und das Weiche, das Milde und das Rauhe an seine gehörige Stelle bringen, ist die Aufgabe, welche sich jeder Mensch bei seiner eigenen Ausbildung vorsetzen muss.” - Wie der Mensch diese Balance gewinnt, bleibt ihm selbst überlassen: ob mit oder ohne Spiritualität, Religion, Dogmen…
Herzlichst
Sigi Leibfried
Donnerstag, der 19. August 2010 um 01:01
Sehr geehrter Herr Müller , Ihr Beitrag ist Balsam für die Seele. Nur leider befürchte ich, dass Sie in einer Welt, die immer mehr von unstillbarer Gier beherrscht wird auf der einen Seite und Geiz als geil auf der anderen angesehen wird, genauso ein Rufer in der Wüste bleiben wie viele geschichtliche Vorgänger. Schön wäre es, wenn Ihre Gedanken sich über einige Leser sozusagen als Schmetterlingsflügelschlag verbreiten und zu einem Sturm auswachsen würden.
Gerhard Schreiber
Donnerstag, der 19. August 2010 um 10:53
Hmm, okay, ich bin zu weiterem Nachdenken angeregt:
Was ist denn nun Geistigkeit?
Warum soll ich mich mit Formlosem verbinden?
Was ist dieses Formlose?
Wie definiert man “göttlich”?
Wie verdrängt man geistige Wesen?
Ist ein Porsche ein Symbol oder einfach ein Auto?
Wer braucht Paradigmen?
Und wer eine von anderen angefertigte No-Go-Liste?
Wie schätzt man Wert?
Wie balsamiert man Seelen?
Verhindert man Stürme, wenn man Schmetterlinge ausrottet?
Führt ein intimes Verhältnis zu Spiritus nicht zu Blindheit?
Warum lese ich solche Beiträge bis zum Ende?
Fragen über Fragen …
Donnerstag, der 19. August 2010 um 22:56
Lieber Herr Högner, ich dachte immer, der Porsche sei ein Symbol für Potenzpobleme