
Um es gleich vorweg und deutlich zu sagen: Aus meiner Designersicht sind 75% aller Weihnachtskarten die ich von Zulieferern, Händlern, besuchten Hotels, Druckereien, Versicherungen und Kunden (!) bekomme, wirklich “Schrott”. Und aus menschlicher Sicht, sind es sogar 98%! Verzeihung, aber das ist so. Die Tendenz, eine Weihnachtskarte als tatsächliche Kommunikationsmöglichkeit zur Auffrischung und Neugewinnung von Kontakten sinnvoll und wertschätzend einzusetzen, geht jährlich weiter gegen Null…
Offenbar wird bei vielen die Pflichtübung Weihnachtskarte immer noch im allerletzten Moment in Auftrag gegeben. Deutlicher Ausdruck der Nicht-Wertschätzung des Planenden! Aber natürlich nicht bei Designern - nein, denn so wichtig sind Xmas Karten nun wirklich nicht - sondern bestenfalls bei der Hausdruckerei. Hier stellt sich nicht die Frage nach dem Inhalt, also dem geschriebenen Wort als dankende Botschaft, sondern nur nach einem jährlich wechselnden Motiv, möglichst mit Schneelandschaft und irgendwie passend zum CI. Jeder Visitenkarte wird mehr Ehrgeiz gewidmet, als der Weihnachtskarte!
Der Standardsatz “Auch in diesem Jahr bedanken wir uns für die gute Zusammenarbeit und wünschen Ihnen und Ihrer Familie geruhsame Feiertage” wirkt auf mich jedes Jahr wie ein Schock und macht mir Weihnachten nicht angenehmer, geschweige denn geruhsamer. Ich könnte jedes Mal laut schreiend “nein” rufen, “nicht schon wieder”! Daneben dann zaghaft eine oder zwei Unterschriften, von Menschen, die sich nicht mal identifizieren lassen. Und dann finden sich seit Jahren noch diese zunehmend unehrlichen Zusätze “Auf Präsente…blah…blah…haben wir zu Gunsten einer Spende …blah …blah …dieses Jahr verzichtet”….
Nein, so nicht! Nicht im 21. Jahrhundert.
Der Sinn einer Xmas Karte besteht doch in der Aussage “Wir haben an Sie gedacht” und “danken Ihnen für ein Stück Wegbegleitung”. Fein, dagegen ist nichts einzuwenden. Warum aber sagt das kaum Jemand wirklich wertschätzend? Warum entsteht beim Empfänger der Botschaft oftmals das Gefühl der Namenlosigkeit? Der Austauschbarkeit?
Mit einer gelungenen Grußbotschaft hingegen, lassen sich unglaublich viele Aspekte zwischenmenschlicher Kommunikation verbinden. Auch im Geschäftsleben und ganz besonders in der Weihnachtszeit. Und dem Jahreswechsel.
Neun persönliche Tipps vom Designer und Texter
1 Bevor Sie eine schlechte Weihnachtskarte zum Druck geben, verzichten Sie lieber ganz darauf. Niemand wird Ihre Karte vermissen!
2 Haben Sie Weihnachten verpasst, können Sie immer noch eine freundliche Neujahrs-Grußbotschaft versenden. Nicht nur die Post wird es Ihnen danken, denn die meisten Empfänger finden Ihre Weihnachtsbotschaften ohnehin erst am Arbeitsplatz, wenn Sie Mitte Januar aus dem Urlaub zurück kommen. Und im Januar, will Niemand mehr etwas von Christbäumen oder geruhsamen Feiertagen hören!
3 Denken Sie daran, welche Bedeutung Weihnachten hatte und immer noch hat. Das Thema heißt “Nächstenliebe” und nicht Firmendarstellung.
4 Nutzen Sie die große Chance, wenigstens einmal im Jahr, eine persönliche Botschaft an Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer zu schicken. Denken Sie auch an die Pförtner, die Putzkolonnen, die Gärtner, die Fahrer und die Köche. Ein freundliches Wort, auch geschrieben, ist 1000 Mal mehr Wert als ein Scheck: Und dieses Wort heißt “danke”!
5 Eine Weihnachtsbotschaft, egal ob Karte, Brief, oder Anruf, sollte Ausdruck Ihrer Wertschätzung sein. Eine eMail ist zwar leider, trotz Nettikette, oftmals nur noch ein unschönes Rudiment der ursprünglichen Kommunikations-Form Brief, aber wenn es nicht anders geht oder Sie nur noch eMail Anschriften besitzen, statt echter Adressen, dann seien Sie auch hier wertschätzend: Schreiben Sie eine Anrede, formatieren Sie die Mail und enden Sie mit Grußwort und Namen!
6 Wenn Ihnen kein Text einfallen will, dann tun Sie so, als ob Sie an einen Freund schreiben. Ihr Kunde war streckenweise im Jahr Ihr Freund, denn mit seinen Aufträgen finanzierte er Ihren Lebensstil. Und all die anderen - die Sekretärinnen, die Gärtner, die Fahrer, die Boten und die Kellner in Ihrem Mittagslokal, haben Ihnen zu großen Teilen Ihre Arbeit erleichtert und Sie ein Stück weit unterstützt. Vergessen Sie das niemals: Jede Leistung ist immer irgendwie Teamwork!
7 Wenn die Industrie Weihnachtsprodukte schon Ostern plant oder gar herstellt, um ab September in Supermärkten nervend präsent sein zu können, dann machen Sie sich zu eigen, bereits nächstes Jahr im August (!) Ihre Weihnachtsbotschaften mit auf die Agenda zu nehmen. Eine gute Botschaft erfordert mindestens zwei Meetings und einige Handlungsanweisungen. Beauftragen Sie Profis, es kostet nicht die Welt, aber es bringt dem Image mehr als manche Werbekampagne. Fragen Sie auch Mitarbeiter und Familienmitglieder nach Ihrer Meinung.
8 Viele Hunderttausende deutscher Menschen waren im vergangenen Jahr in Seminaren, Workshops, in Psychotherapien oder bei einem Coach. Meist ging es dabei, neben der Aufarbeitung von Altlasten, um die Chance, den Weg zu finden, ein besserer, ein in sich selbst ruhender Mensch zu werden. Weihnachten und Jahreswechsel sind Möglichkeiten, das Gelernte zu zeigen und zu leben. Seien Sie wenigstens einmal im Jahr dankbar und offenbaren Sie ein kleines Stück Demut - vor dem Leben und Ihren Mitmenschen. Das hat nichts mit Kirche zu tun, sondern mit menschenfreundlicher Achtsamkeit und Respekt!
9 Leben Sie vor, was Sie sich selbst wünschen. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Achtung. Wenn Ihnen gar nichts einfällt, ein Designer oder Texter zu teuer sind, dann kaufen Sie eine schöne Blankokarte und schreiben Sie händisch mit Füller ganz einfach darauf: “Ich danke Ihnen Herr/Frau Musterschmitz, dafür, dass Sie mich wieder ein Jahr begleitet haben.” Und auf die Rückseite: “Frohe Weihnachten. Herzlichst Ihr/e …..” Diese kleine Geste wirkt verblüffend und wird sicher nicht ohne Reaktion bleiben. Denn mal ehrlich: Haben Sie jemals auf Ihre “normale” Firmenweihnachtskarte eine Reaktion bekommen?
Machen Sie es besser! Bleiben Sie authentisch!
Herzlichst : Ihr Det Mueller